Johann Michael Sailer (1751-1832)
Home
Schule
Über uns
 J. M. Sailer
Fächer
MINT
Begabungs-
 stützpunkt

Archiv
Bilder
Dilingana
Förderverein
Rundgang

Anmeldung
Benutzername Passwort

Aktuelle Bilder
Druckversion
Eine für die Druckaus-
gabe angepasste Version des Seiteninhalts findet man hier...

Zu diesem Thema hat Matthias Grätsch, der ab 1987 das Johann-Michael-Sailer-Gymnasium besuchte und 1996 das Abitur erwarb, einen Aufsatz (pdf 181k) verfasst. Seit 1997 studiert er Sozialpädagogik/Soziale Arbeit und Katholische Theologie an den beiden Hochschulen in Benediktbeuern. Im Rahmen des Hauptseminars in Kirchengeschichte – Thema: „Probleme zwischen Kirche und Staat, vornehmlich im 19. Jahrhundert! – beschäftigte er sich mit Johann Michael Sailer, seiner Zeit und seinem Leben.

Sailers Kindheit, seine Jugend und das Landsberger Noviziat (1751-1772)
Johann Michael Sailer wurde am 17. November 1751 in Aresing, einem Dorf bei Schrobenhausen, geboren. Er wuchs als jüngstes Kind unter sechs Geschwistern im Hause des Dorfschusters Andreas Sailer auf. Sailer meinte später einmal, seine Eltern seien "mehr durch Gottesfurcht und Rechtschaffenheit als durch den Besitz zeitlicher Güter" hervorgetreten.
Bald wurde der Dorfschullehrer auf den begabten Buben aufmerksam. An Ostern 1762 brachte der Vater seinen Sohn nach München in eine Vorbereitungsschule für das Gymnasium. Nach drei Jahren trat Sailer in das Jesuitengymnasium ein, das er bis 1770 besuchte. Während seiner Münchner Gymnasialzeit musste sich Sailer durch zusätzliche Arbeit um seinen Lebensunterhalt sorgen. Allmählich reifte in Sailer der Entschluss, in den Jesuitenorden einzutreten.
"Dieser Lebensabschnitt Sailers ist geradezu ein exemplarischer Lebenslauf. So wie der Schustersohn aus Aresing sind jahrhundertelang die Söhne der Armen in die Welt des Geistes gelangt. Denn es gab in der Ständegesellschaft nur eine Institution, die eine vertikale soziale Mobilität praktizierte: die Kirche. Sie ermöglichte den gescheiten Bauern- und Handwerkersöhnen ihr Milieu zu verlassen und im Dienste der Kirche ihre Begabung voll zu entfalten" (Rösch).
Nach der Gymnasialzeit trat Sailer als Novize bei den Jesuiten in Landsberg am Lech ein.
"Selbstbeherrschung, Klugheit, eine tiefe Gebetspraxis und nicht zuletzt ein ausgeprägter Sinn für das mystische Schrifttum können für Sailer als die Erträge der Landsberger Jahre gelten" (Rösch).

Die Ingolstädter Jahre (1772-1781)
An der Landesuniversität Ingolstadt begann Sailer mit dem Philosophiestudium, das er 1774 mit der Promotion abschloss. 1775 wurde er in Augsburg zum Priester geweiht. Das theologische Studium dauerte bis 1777 und wurde mit einer zweiten Promotion beendet. An der Ingolstädter Hochschule hatten die Jesuiten seit der Gegenreformation eine beherrschende Stellung inne. Für die Universität wie für den Jesuitenorden war die Aufhebung der Gesellschaft Jesu (21. Juli 1773) ein Ereignis mit weitreichenden Konsequenzen. Sailer, der inzwischen zum zweiten Dogmatikprofessor ernannt worden war, mußte 1781 die Universität verlassen. 1783 siedelte er von Ingolstadt in die Freie Reichsstadt Augsburg über und betätigte sich als Prediger und Schriftsteller. In diesem Jahr erschien auch das "Vollständige Lese- und Gebetbuch zum Gebrauch der Katholiken". Nun war Sailer in ganz Deutschland bekannt.
"Zwei Wesenszüge Sailers zeigen sich hier ganz klar: seine echte, tiefe Frömmigkeit, die jeden Gläubigen über die konfessionellen Schranken hinweg unmittelbar ansprach und sein praxisorientiertes Wirken, sein Zugehen auf die Menschen" (Rösch).

Sailers Dillinger Zeit (1784-1794)
Fürstbischof Klemens Wenzeslaus wünschte eine großzügigere Unabhängigkeit von Rom und wollte zeitgemäße Reformen durchführen. In einem Hirtenbrief im Jahre 1783 gab er sein Reformprogramm bekannt: darin wandte er sich gegen abergläubische Vorstellungen des Volkes. Sailer hatte den Hirtenbrief entworfen. Am 17. Juli 1784 wurde Sailer zum Professor der Ethik und Pastoraltheologie in Dillingen ernannt. Seine Offenheit und geistige Regsamkeit fand Anklang bei seinen Studenten. Doch dies erweckte Neid bei seinen weniger erfolgreichen Kollegen:
a) Der Kampf um das lateinische Sprachmonopol
Seit dem Konzil von Trient war Latein in den katholischen Ländern zur ersten Bildungssprache aufgerückt. Sailer jedoch hielt seine Vorlesungen in deutscher Sprache.
b) Kants Philosophie in Dillingen

Ein bedeutsames Ereignis für das geistige Leben in den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts war das Erscheinen der Werke von Immanuel Kant. Die komplizierten Gedankengänge des Philosophen brachte Sailer seinem Studenten- und Freundeskreis nahe. Da die "altgesinnten" Kollegen den Geist des Unglaubens hinter dieser modernen Lehre witterten, wurden sie im Ordinariat vorstellig. Folgende Ordnung wurde erlassen: Das bischöfliche Zensurrecht wird weiter ausgeübt. Die Pastorale wird auf ein Jahr reduziert. Die deutschen Vorlesungen werden eingestellt, und die Lehre der kantischen Philosophie wird bis auf weiteres untersagt.
Am 28. Oktober 1794 enthob der unter Druck gesetzte Klemens Wenzeslaus Sailer seines Amtes und entließ ihn aus dem Universitätsdienst. Das bischöfliche Schreiben war gerichtet "An Herrn Johann Michael Sailer Beneficiaten und Frühmeßner in Aislingen, derzeit in Dillingen." Der Entlassene selbst sah in diesem Vorgehen "fromme Unwissenheit, leidenschaftlichen Neid und aus beiden entstandenen blinden Eifer" am Werk. Ein Studienfreund nahm in gastfreundlich auf und tröstete ihn:
"Nur der öffentliche Mensch steht unter der Zensur der Menschen. Nur den öffentlichen Menschen können sie auslegen, wie sie wollen, verurteilen, verdammen. Begnüge Du Dich damit, dass kein Freund, Dein Gewissen und Dein Gott Dich nicht verdammen."
Die nächsten fünf Jahre verbrachte Sailer in Ebersberg mit schriftstellerischen Arbeiten und führte einen ausgiebigen Briefwechsel. Dort übersetzte er "De imitatione Christi" ins Deutsche. Er sichtete Briefe aus der ganzen Kirchengeschichte: "Am liebsten übersetze ich Briefe, weil sie mehr in das Herz, aus dem sie der Schreiber nahm, und tiefer in die Zeit, in welcher sie geschrieben wurden, blicken lassen."

Sailers Neuberufung nach Ingolstadt und sein Wirken in Landshut (1799-1821)
Die Kirche war durch die Auflösung der geistlichen Fürstentümer (Säkularisation) in eine schwere Existenzkrise geraten. Die Regierung suchte für die Ausbildung des Priesternachwuchses Theologen, die ihre aufklärerischen Absichten unterstützten. Deshalb wandte sich Montgelas an den vermeintlichen Aufklärer Sailer und berief ihn auf den Lehrstuhl für Moral- und Pastoraltheologie in Ingolstadt. 1799 nahm er seine Vorlesungstätigkeit auf. Im Jahre 1800 wurde die Universität nach Landshut verlegt. Hier entfaltete Sailer einen ähnlichen Stil wie schon in Dillingen: er hielt Vorlesungen über Religionsfragen für Hörer aller Fakultäten und hatte bald wieder einen ständigen Freundeskreis um sich gesammelt. Und wieder machten ihm Neid und Intrigen der Kollegen zu schaffen. Die eigentliche Frage aber war: Welche Stellung nehmen die Geistlichen im neuen Staat ein? Sailer sah es als die wichtigste Aufgabe des Klerikers an, nicht Moral von der Kanzel zu predigen, sondern "die Lehre vom Ewigen zu künden".
In Landshut schrieb er sein pädagogisches Hauptwerk "Über die Erziehung für Erzieher" (1807). Hierin übernimmt er die Vorstellungen Pestalozzis, entfaltet jedoch eine Grundlegung aus dem Glauben. 1817 erschien sein dreibändiges "Handbuch der christlichen Moral". Am 12. Oktober 1821 gab Sailer sein Lehramt in Landshut auf. Da der Regensburger Oberhirte sehr altersschwach war, wurde ihm Sailer als tatkräftiger Mitarbeiter zur Seite gestellt.
Als 1829 Bischof Wolf starb, trat Sailer im 78. Lebensjahr das Bischofsamt an. Nur noch drei Jahre war der betagte Oberhirte in seinem Amte tätig. Am 20. Mai 1832 starb er. Er wurde im Dom zu Regensburg beigesetzt.

Würdigung Sailers
"Sailer hatte persönlich erfahren, wie staatliche und kirchliche Institutionen den Einzelnen in ihr Machtkalkül einplanen. In seinem Leben wurde die Spannung zwischen Institution und Individuum geradezu exemplarisch sichtbar. Doch seine große Persönlichkeit wurde auch mit dieser Polarität fertig. Das zeigt sich darin, wie er unbeirrbar an seiner tiefen religiösen Überzeugung trotz aller Widrigkeit festhielt, wie er unbeirrbar nach der Wahrheit strebte, sich den modernen Ideen öffnete und der Auseinandersetzung mit ihnen nicht aus dem Weg ging, sondern sich stellte, sie verarbeitete und fruchtbringend nutzte.
Sailer war ferner ein außergewöhnlicher Erzieher. Seine Ausstrahlungskraft wirkte unmittelbar auf seine Mitmenschen, auf die einfachen ebenso wie auf die gebildeten. Philip Funk hat das Wesen von Sailers pädagogischem Wirken sehr treffend charakterisiert, als er sagte: 'Er ging in seinem Leben und Wirken durch die wechselnden Schulmeinungen so ruhig und sicher hindurch, dass die Schüler zwar spürten, wie der Lehrer stets über alles Moderne auf dem Laufenden war, aber auch wie sein Denken trotz aller Zeitoffenheit unbeirrbar im Ewigen verankert war. Ein Mann, an dem solches zu spüren ist, muss erziehend und bildend wirken.'
Schließlich war Sailer ein Mann der Kirche, ein Christ im existentiellen Sinne. Der Unterschied der Konfessionen trat bei ihm zurück; denn er wusste um die  Spannungen zwischen den kirchlichen Institutionen, dem mechanischen Christentum, wie er es nannte, und der Auseinandersetzung des um Gott ringenden Menschen. Er war ein Mann der echten Katholizität und das heißt der Weltoffenheit. Hatte er nicht der Welt der modernen Literatur den Weg in die abgesperrten Bezirke des Katholizismus geöffnet? Sailer erkannte schon sehr früh den Weg, den das Christentum in der neuen Zeit zu schlagen hatte: nicht auf institutionalisierten Machtpositionen zu verharren und diese mit weltlichen Bündnissen zu festigen, sondern durch eine aus den Tiefen des Glaubens gespeiste religiöse Existenz der Moderne die Wirksamkeit und Überzeugungskraft des Christentums vorzuleben. Denn der Theologe Sailer sah ganz klar, dass eine Übermacht des Staates und der Herrschaftskirche die Substanz auszehren musste, von der der Glaube lebte.
Sailer war ein Mann, dem die gelebte Frömmigkeit über alles ging. Heute wäre er sicher ein Vertreter der Reform. In seinem Tagebuch aus der Ebersberger Zeit finden wir eine Stelle, die am klarsten den Grundgedanken seiner Existenz enthält: 'Nichts wollte ich, als das Salz unserer Religion allwirksam machen, nichts wollte ich, als das bloß äußere, tote Christentum, das aus Unwissenheit und Gebrechlichkeit herrschte, in ein inneres, lebendiges, Tat und Kraft ausströmendes zu verwandeln'" (Rösch).

Wiedergutmachung für Johann Michael Sailer
Vor dem Abschluss des 150. Erinnerungsjahres an den Tod von Johann Michael Sailer hatte Bischof Dr. Josef Stimpfle die Priester der Regionen Neu-Ulm und Donau-Ries, die Alumnen des Priesterseminars Augsburg, die Gymnasiasten der Dillinger Studienseminare und die Bevölkerung der Stadt Dillingen zu einem religiösen Tag eingeladen, um nach der Bedeutung dieses Gottesmannes für die Gegenwart zu fragen. Der Bischof bezeichnete im festlichen Gottesdienst in der Studienkirche diese Demütigung des damals 43 Jahre alten Professors als einen Makel in der Geschichte des Bistums und würdigte sein unvergängliches Beispiel in der Bewältigung dieser Schmähung und in der Kreuzesnachfolge Christi. Dem 1812 von dem damaligen Augsburger Bischof Klemens Wenzeslaus gesprochenen Wort "Diesem Mann ist groß Unrecht geschehen", so erklärte Bischof Dr. Stimpfle, solle nun mit dem geplanten Sailer-Denkmal, das die Diözese und die Stadt Dillingen errichten wollen, ein sichtbares Zeichen der Verehrung und Herausstellung als Leitbild folgen.
Die überragende erzieherische Größe, aber auch das nachahmenswerte religiöse Vorbild habe Sailer in der Demut und Unbeirrbarkeit seines Christusglaubens gegeben, mit denen er jahrzehntelang gegen Intrigen ankämpfen und Verleumdung wehrlos ertragen musste, erklärte der Augsburger Oberhirte. Die vom Bischof zitierten Tagebucheintragungen Sailers, auch im Blick auf das heute unverständliche gegnerische Verhalten von Klemens Maria Hofbauer, bezeugten ein ungewöhnliches Freisein von jeglicher Rechthaberei. In einer Zeit gewaltiger Umstürze, in der viel wertvolles Altes untergegangen, das notwendige Neue nicht im rechten Sinne erkannt worden sei, habe Sailer durch Geduld und Frömmigkeit der Priesterausbildung und dem katholischen Volk den Kern des Christusglaubens bewusstgemacht (vgl. Kirchenzeitung vom 5. Dezember 1982).

Literatur
Rösch, Herbert: Johann Michael Sailer und seine Zeit. Sonderdruck aus dem Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen LXXXIV, Jg. 1982
Schwaiger, Georg: Johann Michael Sailer. Der bayerische Kirchenvater. München - Zürich 1982

Zurück

© 1998 - 2016
Johann-Michael-Sailer-Gymnasium, Ziegelstraße 8, 89407 Dillingen a.d. Donau
Tel.: 09071/79040 Fax: 09071/790430 sekretariat@sailer-gymnasium.de
ausführliches Impressum ...
Datenschutzerklärung

Aktuelle Termine
30.07. - 12.09.
Sommerferien

weitere Termine...

Bibliotheken
Online Recherche: Schulbibliothek
Studienbibliothek

Stadtbücherei Dillingen
Speiseplan
Den Speiseplan für die nächsten Tage findet man hier...